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Digitales

Vor genau einem Jahr trat die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in allen Ländern der Europäischen Union in Kraft. Die DSGVO soll den Umgang mit personenbezogenen Daten regeln und damit auch die Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen schützen. Mit Inkrafttreten der DSGVO mussten alle Verbraucherinnen und Verbraucher zunächst darüber informiert werden und auch zustimmen, wenn personenbezogene Daten gespeichert werden.Große Aufregung und große Ängste

Die nun verbindlichen und damit einklagbaren Regelungen im Umgang mit Daten sorgten im Vorfeld für viel Gesprächsstoff. Die Angst vor dem bürokratischem Aufwand, vor Einschränkungen und vor Abmahnungen war groß. Es kursierten Gerüchte über Bußgelder in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro. Blogger oder selbstständige Fotografen sahen ihre Arbeit bedroht. Nach einem Jahr zeigt sich jedoch: Die großen Klagewellen blieben aus und auch die verhängten Bußgelder gegenüber Sozialen Netzwerken oder anderen Internetanbietern liegen meist unter 50.000 Euro. Trotzdem: Es gibt Schwachstellen, denn die Datenschutz-Grundverordnung gilt beispielsweise für kleine Firmen und Vereine ebenso wie für Internetgiganten. Das aber kann behoben werden, denn im kommenden Jahr soll die Verordnung auf mögliche Probleme hin durchforstet und eventuell angepasst werden.

Pressearbeit ausgenommen

Die DSGVO verpflichtet EU-Mitgliedstaaten, Regelungen zu schaffen, die den Schutz personenbezogener Daten in Einklang bringen mit der Freiheit der Meinungsäußerung und der Informationsfreiheit. Auf diese Weise muss sichergestellt werden, das Journalisten und in Journalistinen, egal ob sie in einer Redaktionen oder frei arbeiten, ihre Aufgabe uneingeschränkt erfüllen können. Weniger eindeutig geklärt ist die Frage, für wen das sogenannte Medienprivileg gilt, also wo Pressearbeit anfängt und wo sie aufhört. Nachweislich schwieriger geworden ist die Arbeit von Bildjournalistinnen und -journalisten. Bei einer Umfrage des Deutschen Journalisten-Verbandes haben von 200 Teilnehmern 70 Prozent die Auswirkungen der DSGVO als negativ eingestuft. Der Verband fordert deshalb vom Gesetzgeber, die Foto- und Filmfreiheit wiederherzustellen und für Rechtssicherheit bei der Pressefotografie zu sorgen.

Daten als neue Währung

In jedem Fall hat das Inkrafttreten der DSGVO eine neue Sensibilisierung für das Thema Datenschutz bewirkt. Im Vergleich zu früher wird zum Beispiel bei „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ dem Datenschutz mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht mehr alle Cookies werden automatisch akzeptiert, um das Angebot einer Webseite zu nutzen. Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytika hat gezeigt, dass unsere Daten, mehr noch als vor zehn Jahren, die Währung in einem digitalen Zeitalter sind. Sie sind wertvoll und begehrt. Unternehmen brauchen sie, um eine Geschäftsstrategie zu realisieren. Personenbezogene Daten werden analysiert und ausgewertet, um Produkte noch gezielter bewerben zu können oder auch besser an Verbraucherinnen und Verbraucher anzupassen.

Beate Laurenti, 2. FS
25. Mai 2019

Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack! Mit diesem Grundsatz verhalfen die ehemaligen Yahoo-Entwickler Jan Koum und Brian Acton WhatsApp zu großem Erfolg. Seitdem gehört der beliebte Messenger auf jedem Smartphone praktisch zum Inventar. Mit insgesamt 1,5 Milliarden Nutzern weltweit (Stand Januar 2018) zählt der Dienst zu den Top 10 der am meisten heruntergeladenen und verwendeten Anwendungen. Doch nun könnte diese Erfolgsgeschichte ihr Ende finden, wenn eine vor Jahren vereinbarte Frist zum Monatswechsel abläuft.

Auch große Fische werden gefressen

Denn WhatsApp gehört schon lange nicht mehr den beiden Gründern. Der unerwartete Erfolg ihrer Entwicklung weckte die Begehrlichkeiten eines noch erfolgreicheren Unternehmens und so ging der Instant-Messaging-Dienst im Februar 2014 für insgesamt 19 Milliarden Dollar an das US-Unternehmen Facebook, zu welchem auch die Entwickler nach dem Verkauf ihrer App wechselten. Jan Koum bekam darüber hinaus einen Sitz im Verwaltungsrat von Facebook.

»WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren.« Jan Koum

Um Acton und Koum zu einer schnellen Verkaufsentscheidung zu bewegen (denn auch Google zeigte an dem Messenger Interesse), war Facebooks Erfinder und Konzern-Chef Mark Zuckerberg zu großzügigen Zugeständnissen bereit. So sollte für die Dauer von fünf Jahren kein Druck auf die Entwickler ausgeübt werden, Geld mit ihrem Messenger zu verdienen, was diese dazu befähigen sollte, ihren Grundsatz fortzuführen.
Doch diese Frist ist nun abgelaufen und nachdem beide Gründer Facebook und damit auch WhatsApp verlassen haben, ist nun für das Unternehmen die Zeit gekommen, Geld mit ihrem teuer erkauften Messanger zu verdienen.

»Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft.« Brian Acton

Und so ist unterschiedlichen Meldungen zufolge damit zu rechnen, dass bereits kommenden Februar, also genau fünf Jahre später, Werbung im dem Bereich für die Statusmeldungen erscheinen wird, welcher bisher lediglich zum Teilen von Videos, Bildern sowie GIF-Dateien genutzt werden konnte und damit mit dem Story-Modus von Instagram und zu vergleichen ist.
Bleibt nur die Frage, welche Folgen eine solche Entscheidung mit Blick auf den Datenschutz haben könnte. Denn damit Werbung möglichst effektiv und teuer verkauft werden kann, sind Daten notwendig. Eine Menge Daten. Daten, die WhatsApp zu liefern imstande ist.
So erfährt es der Messenger, wenn wir unseren Freunden oder Bekannten davon erzählen, dass unser Fernseher kaputt ist, wir uns über ein bestimmtes Produkt unterhalten oder der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Hätten Unternehmen Zugriff auf all diese Daten, dann könnte jeder WhatsApp Nutzer bald mit Werbung konfrontiert werden, welche speziell auf dessen individuelle Bedürfnisse zugeschnitten und damit um ein vielfaches effektiver ist, als die Werbung für ein willkürlich ausgewähltes Produkt.

Um dies aber zu ermöglichen, müsste die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die bisher ein Mitlesen Dritter verhinderte, aufgeweicht werden. Und nach Aussage von Acton soll genau das geschehen. Dadurch will Facebook den Zugriff auf die zwischen den Nutzern ausgetauschten Inhalte erhalten. Denkbar wäre aber auch ein Austausch zwischen WhatsApp und Facebook, für den das Unternehmen bereits in der Vergangenheit kritisiert wurde.
Bis WhatsApp-Werbung aber auch auf unseren Handys erscheinen wird, wird es noch einige Monate dauern. So sollen vorerst indische iPhone-Nutzer von der Neuerung betroffen sein. Bis spätestens Mitte 2019 wird die Werbung jedoch alle 1,3 Milliarden Nutzern und damit auch die Nutzer von Android-Geräten erreichen, was auch die Nutzer in Deutschland einschließen wird. Was dies für die Zukunft von WhatsApp bedeuten könnte, bleibt abzuwarten.

Sebastian Brünnel, 1. FS
29. Januar 2019